QRV auf dem Motorrad
Ziel war es, in meine alte Kawasaki GPZ600R, Baujahr 1988, ein Funkgerät und einen APRS-Tracker einzubauen. Der Funkbetrieb auf dem Motorrad unterscheidet sich jedoch grundlegend vom Betrieb aus dem Auto. Der Fahrer ist dem Fahrtwind ungeschützt ausgesetzt, außerdem trägt er einen Helm. Die Verwendung von Lautsprecher und Handmikrofon scheidet deshalb aus. Ein Handmikrofon wäre auch aus einem anderen Grund undenkbar: Der Motorradfahrer braucht beide Hände zum Lenken und zum Bedienen von Gas, Bremse und Kupplung. Daher sollten beide Hände möglichst immer frei sein. Dies gilt auch für die Bedienung der PTT: Um immer eine Hand frei zu haben, muss diese zwingend als Schalter und nicht als Taster ausgeführt werden. Die Verwendung einer VOX wird aufgrund der unvermeidbaren Windgeräusche wahrscheinlich unmöglich sein. Kommt der Motorradfahrer in einen Regenschauer, so steht er vor dem nächsten Problem: Das Funkgerät (bzw. das Bedienteil) muss vor Feuchtigkeit geschützt werden. Es bieten sich allerdings auch hochfrequenztechnische Probleme: Ein Motorradrahmen bietet bei weitem nicht so viel Masse wie eine Autokarosserie. Auch ist die Verkleidung nahezu aller Motorräder aus Kunststoff und nicht aus Metall. Bei unachtsamer Antenneninstallation wären damit Mantelwellen vorprogrammiert.

Kawasaki GPZ600R, Bj. 1988
Anforderungen
Meine Wahl fiel auf das bisher als Zweitgerät genutzte Mobilfunkgerät Yaesu FTM-10E. Es wurde speziell für den Einsatz auf Motorrädern entworfen, ist entsprechend klein ausgeführt und verfügt über ein spritzwassergeschütztes, absetzbares Bedienteil. Praktisch ist ferner die Bluetooth-Option. Der FTM-10 kann mit einer Bluetooth-Platine ergänzt werden, so dass handelsübliche Bluetooth-Headsets für Motorradhelme verwendet werden können. Folgende Anforderungen sollten bei der Installation berücksichtigt werden:
- Sendeleistung von ca. 5 bis maximal ca. 50 Watt einstellbar
- kleine Abmessungen
- spritzwassergeschütztes Bedienteil
- externe PTT
- Helmheadset über Bluetooth koppelbar
- Anschluss von GPS-Maus bzw. APRS-Tracker möglich
- Ein- und Ausschalten über geeignete Nachlaufsteuerung in Abhängigkeit der Lichtmaschinenspannung
- Abdeckung des 2m- und 70cm-Bandes
- Vertikalantenne für 2m und 70cm
- endgespeiste λ/2-Strahler auf 2m
- möglichst verborgene und unauffällige Installation
Aufgrund der zu erwartenden Masseprobleme sollte die Antenne sinnvollerweise als endgespeister Halbwellenstrahler für das längste zu verwendende Band ausgeführt werden. Durch die hohe Fußpunktimpedanz eines solchen Strahlers sind Mantelwellen am wirkungsvollsten zu verhindern bzw. zu minimieren. Verwendung fand meine alte Mobilantenne vom Typ Diamond NR-770H. Diese funktioniert auch mit schlechter Masseverbindung problemlos. Als GPS-Tracker kommt aufgrund der guten Erfahrungen im Auto und der kleinen Abmessungen ein TinyTrak 3+ zum Einsatz. Eine Nachlaufsteuerung wurde über einen APO 3 realisiert. Dieses in den USA erhältliche Gerät besteht aus einem spannungsgesteuerten Relais über welches die Versorgungsspannung geführt wird. Sobald die Lichtmaschinenspannung 13,05 Volt überschreitet, zieht das Relais im APO 3 an. Unterschreitet nach Abschalten des Motors die Batteriespannung die 13,05 Volt, so fällt das Relais nach zehn Minuten ab und trennt alle Verbraucher vom Bordnetz. Ein Leerlaufen des mit 12Ah relativ kleinen Motorradakkus bei versehentlichem Nichtabschalten des Funkgeräts wird so wirkungsvoll vermieden. Trotzdem kann der APRS-Tracker somit noch eine letzte Bake von der Standposition aussenden.
Sicherungen und Stecker
Kurz nach dem Pluspol der Batterie wird das gesamte System über eine 30A-Sicherung abgesichert. Sicherungshalter für die Installation einer im Kfz-Bereich gängigen Flachsicherung sind in jedem gutsortierten Baumarkt erhältlich. Der FTM-10 ist in Plus- und Minuspol über je eine 15A-Sicherung gegen Überspannung gesichert. Ebenso sind Plus- und Minuspol des TinyTrak mit je 1A abgesichert. Alle Stecker im Spannungsversorgungssystem sind mit Anderson Powerpoles versehen.
Installation
Die GPZ600R ist ein Sportmotorrad. Ensprechend wenig Platz zur Installation eines Funkgerätes ist vorhanden. Unter dem Soziussitz befanden sich zwei Fächer, die ursprünglich zur Aufnahme des Bordwerkzeugs und als Dokumentenfach dienten. Bordwerkzeug ist nach 19 Jahren nicht mehr vorhanden und Das Dokumentenfach dank Topcase in der Regel ungenutzt. Daher konnten diese beiden Fächer entfernt werden, wodurch Platz zur Installation des Funkgerätes und des APRS-Trackers entstand. Der APO 3 fand hinter der rechten Seitenverkleidung seinen Platz:

Installation von Funkgerät und Tracker
Die GPS-Maus befindet sich gut geschützt zwischen Windschutzscheibe und Armaturenbrett. Das Bedienteil wurde mit Hilfe eines selbstgefertigten Metallwinkels in der Nähe des Kupplungshebels befestigt. Die Sicht auf das Armaturenbrett wird somit nicht behindert, trotzdem ist das Display des FTM-10 jederzeit im Blickfeld des Fahrers. Direkt under dem Schalter für die Hupe (also ebenfalls auf der linken, d.h. der Kupplungsseite) ist ein Druckschalter für die PTT und ein Kippschalter. Der Kippschalter schaltet den TinyTrak ein bzw. aus und deaktiviert bzw. aktiviert gleichzeitig den Schalter für die PTT. Die PTT kann damit durch kurzes Antippen des Schalters mit dem Daumen aktiviert werden. Zum Deaktivieren muss der Schalter erneut betätigt werden. Die linke Hand muss so nicht vom Handgriff wegbewegt werden und bleibt somit für die sichere Bedienung des Motorrads jederzeit verfügbar:

Installation des Bedienteils
Die Antenne wurde durch einen U-Träger am Gepäckträger befestigt und rechts neben dem Topcase installiert. Das Topcase wird in der Regel nicht abgenommen, da es der einzige vernünftige Stauraum am Motorrad ist. Der direkt neben dem Topcase verlaufende Teil der Antenne wurde mit Schrumpfschlauch ummantelt, außerdem wurde das Topcase mit einem Streifen Klettband versehen, um Geräusche und Schäden am Topcase durch eine evtl. gegen den Kunststoff schlagende Antenne zu vermeiden. Messungen ergaben ein SWR von besser als 1,7 auf dem 2m-Band und besser als 1,3 auf dem 70cm Band. Die schlechteren SWR-Werte auf 2m liegen im Telegrafie- und SSB-Bereich. Im FM-Bereich ist das SWR besser als 1,5.

Installation der Antenne
Audioqualität
Während einer kurzen Testfahrt zeichnete Heinz Böhner (DL9NDG) mein Signal auf. Eine Hörprobe (ca. 220kB, mp3-Format) kann hier heruntergeladen werden. Verwendung findet das Camos BHS-600 Bluetooth-Headset im Helm IS-16 von HJC. Die Geschwindigkeit lag ca. zwischen 50 und 60 km/h. Bis zu einer Geschwindigkeit von ca. 110 km/h nimmt die Qualität langsam, aber unwesentlich ab; das Signal bleibt sehr gut lesbar. Im Empfangsfall sind über die Kopfhörer Signale bis zu einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h sehr gut zu verstehen, darüber nimmt die Verständlichkeit wegen Windgeräuschen stark ab.

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