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Netgear WGT634U als UMTS-Router und APRS-Gateway mit OpenWRT

Datum:  18. August 2009

Kommentare:  2 Kommentare

Dieser Artikel beschreibt die Installation der freien und quelloffenen, Linux-basierten Router-Firmware OpenWRT auf einem alten Router vom Typ Netgear WGT634U. Der Router wird so konfiguriert, dass das Betriebssystem von einem USB-Stick geladen wird. Neben der reinen Router-Funktion wird ferner ein Huawei E160 USB-Stick für UMTS-Verbindungen eingerichtet. Ferner wird die APRS-Software APRS4R installiert, damit der Router in Verbingung mit TNC und Funkgerät als APRS-Gateway oder APRS-Fill-In-Digipeater benutzt werden kann.

Der WGT634U als APRS-Gateway

Vorbereitung und Hardware

Verwendung findet ein alter Router vom Typ Netgear WGT634U. Dieser Router basiert auf einem Board mit Broadcom 5365P Chipsatz, 200 MHz MIPS-Prozessor, 8MB Flash-Speicher sowie 32MB RAM. Als reiner Router fehlt ein internes DSL-Modem. Integriert sind zwei Netzwerkanschlüsse, ein Anschluss für das WAN (entweder ein übergeordnetes LAN oder ein DSL-Modem) und ein Anschluss für das LAN. Der LAN-Port wird über einen integrierten Switch auf vier Anschlüsse geführt, es können also bis zu vier Geräte angeschlossen werden, bevor ein externer Switch benötigt wird. Ferner verfügt der WGT634U über einen WLAN-Adapter. Dieser basiert auf einer Atheros Mini-PCI-Karte für IEEE802.11b/g (11 MBit/s bis 54 Mbit/s; mit der Firmware des Herstellers auch das proprietäre IEEE802.11g++ bis 108MBit/s). Außerdem verfügt der Router über eine USB-2.0-Schnittstelle.

Dieser Router ist prädestiniert für den Einsatz als herkömmlicher Router, als UMTS-Router sowie als APRS-Gateway (oder auch als Fill-In-Digipeater). Für die Funktion eines herkömmlichen Routers oder als UMTS-Router eignet sich auf diesem Router besonders die freie Open-Source-Firmware OpenWRT, welche die Herstellerfirmware ersetzt. OpenWRT bietet auch die Basis für die Konfiguration als APRS-Gateway mit der Software APRS4R. Der gering bemessene Flash-Speicherplatz macht jedoch die Installation von APRS4R auf diesem Router zunächst unmöglich. Da OpenWRT eine komplette kleine Linux-Distribution ist, ist dies jedoch kein Problem: Das Root-Dateisystem muss nur anstatt vom Flash-Speicher des Routers von einem USB-Stick geladen werden.

Zusammengefasst sind die Ziele:

  1. Installation von OpenWRT auf dem Router
  2. Starten des Routers mit Root-Dateisystem auf einem USB-Stick
  3. Grundkonfiguration von Router und WLAN
  4. Konfiguration als UMTS-Router
  5. Installation und Einrichtung von APRS4R als APRS-Gateway/Fill-In-Digi

Die folgende Beschreibung basiert auf folgender Hardware:

  • Router “Netgear WGT634U”
    (bei E-Bay für max. 30 EUR gebraucht zu erstehen)
  • Fonic-Surfstick für UMTS/GPRS/EDGE
    (Typ: “Huawei E160″)
  • USB-Seriell-Wandler
  • USB-2.0-Hub mit eigener Spannungsversorgung
  • KISS-fähiger TNC für 1k2-Packet-Radio
    (hier: TinyTrak 4 mit KISS-Firmware)
  • 2m-Funkgerät für APRS
    (hier: Handfunkgerät Yaesu VX-6; bei Gateway Betrieb reicht ein Scanner)
  • USB-Stick
    (Größe mindestens 32 MB, hier: 2GB)
  • Für Installation und Fehlerbehebung: RS232-TTL-Wandler
    (hier: Bausatz von Pollin)

Wichtig ist, dass der USB-Hub eine eigene Spannungsversorgung bietet. Die Spannungsversorgung des internen USB-Ports im WGT634U ist äußerst knapp bemessen und nicht in der Lage, einen USB-Seriell-Wandler, einen USB-Stick und einen UMTS-Stick mit stabiler Spannung zu versorgen. Der in Punkt 8 genannte RS232-TTL-Wandler dient im Idealfall nur zum Übertragen der OpenWRT-Firmware auf den Router. Auf diesen kann verzichtet werden, da es möglich ist, OpenWRT durch einen Patch der Herstellerfirmware einzuspielen. Für den Fall, dass hierbei etwas schief läuft, oder dass durch eine unüberlegte oder fehlerhafte Konfiguration unter OpenWRT ein Zugriff auf diesen per ssh nicht mehr möglich ist, kann der Router nur noch über die interne serielle Schnittstelle gerettet werden. Der Failsafe-Modus ist unter OpenWRT für diesen Router noch nicht implementiert. Ein RS232-TTL-Wandler gehört daher zur Sicherheit unbedingt zu diesem Router!

In dieser Konfiguration kann der Router zum Beispiel auf Fielddays über das UMTS- oder GPRS-Netz eine Verbindung zum Internet herstellen und über ein kabelgebundenes Netz bzw. über WLAN den PCs oder Notebooks der Fieldday-Teilnehmer zur Verfügung stellen und gleichzeitig in Verbindung mit einem 2m-Funkgerät als APRS-Gateway oder Fill-In-Digipeater dienen. Die gesamte Ausrüstung lässt sich auf kleinstem Raum unterbringen und durch einen 12V-Bleigelakku auch unabhängig vom Stromnetz betreiben.

1. Installation von OpenWRT

Verwendung findet OpenWRT 8.09 (Codename Kamikaze). Die Images für den WGT634U sind unter http://downloads.openwrt.org/kamikaze/8.09/brcm47xx/ verfügbar. Bevor OpenWRT auf den WGT634U übertragen wird, empfehle ich, die Hinweise im OpenWRT-Wiki genau zu studieren!

Die einfachste, allerdings auch zeitaufwändigste, Methode, OpenWRT auf den Router einzuspielen, geht über das Webinterface der Originalfirmware. Die schnellere Methode geht über den RS232-TTL-Wandler. Dieser ist als Bausatz bei diversen Elektronik-Versandhäusern erhältlich. Mit einer Lochrasterplatine, ein paar Kondensatoren, einem Festspannungsregler sowie einem MAX232 ist er aber auch schnell selbst zusammengebaut.

Um an die interne Schnittstelle des Routers zu gelangen, muss dieser geöffnet werden. Die Schnittstelle befindet sich unten rechts auf der Platine, wie in folgendem Bild gezeigt:

Belegung des internen seriellen Ports

TxD und RxD müssen zwischen Router und RS232-TTL-Wandler gekreuzt werden. Das Einspielen der Firmware erfolgt, wie im Wiki beschrieben. Benötigt wird ein Terminalprogramm (unter Linux z.B. minicom) und ein TFTP-Server auf dem PC (unter Linux z.B. atftpd). Ist die Firmware erfolgreich auf den Router übertragen worden, kann dieser neugestartet werden. OpenWRT steht nun in einer Standardkonfiguration zur Verfügung. Der PC muss nur noch über ein CAT-Kabel mit einem der vier LAN-Ports des Routers verbunden werden. Die Weboberfläche des Routers ist dann über http://192.168.1.1 erreichbar. Ein Passwort für den Benutzer admin ist noch nicht gesetzt. Eine Linux-Shell ist über telnet 192.168.1.1 erreichbar.

Der WGT634U arbeitet mit TTL-Pegel

Für die weitere Konfiguration werden die Standard-Einstellungen zunächst beibehalten. Um weitere Software auf den Router übertragen zu können, muss der WAN-Port über ein CAT-Kabel mit dem heimischen Netzwerk verbunden sein. Danach sollten (sofern im heimischen Netz ein DHCP-Server aktiv ist) der OpenWRT-Router und der an ihn angeschlossene PC Zugriff auf das Internet haben. Ist im lokalen Netzwerk kein DHCP-Server aktiv, muss über die OpenWRT-Weboberfläche dem WAN-Port eine zum eigenen LAN passende statische IP-Adresse zugewiesen werden.

2. Booten vom USB-Stick

Wie bereits angedeutet, bleibt die Konfiguration des Routers zunächst unangetastet. Das Root-Dateisystem befindet sich nach der Installation von OpenWRT im nur 8MB großen Flash-Speicher des Routers. Da dieser Platz für die genannten Ziele deutlich zu knapp ist, muss das Root-Dateisystem auf einen USB-Stick ausgelagert werden. Die Idee ist folgende: Steckt ein USB-Stick am USB-Port des Routers (bzw. am dort angeschlossenen USB-Hub) , so soll der Router versuchen, von diesem zu booten. Ist kein Stick angeschlossen, oder ist dieser nicht bootfähig, so soll der Router aus dem Flash in die OpenWRT-Grundkonfiguration booten.

Der USB-Stick wird mit drei Partitionen vorbereitet:

Partition Nr. späterer Mount-Point Größe (MB) Dateisystem Bemerkungen
1 Swap 128 swap
2 / 256 ext3 Root-Dateisystem
3 /home Rest ext3 oder beliebiger anderer Mount-Point,
je nach Anwendungsfall
(Partition für sonstige Daten)

Ich bevorzuge die Trennung von Root-Dateisystem und Datenpartitionen. Im Prinzip reichen auch die beiden ersten Partitionen aus, ab der dritten Partition kann die Partitionierung nach Belieben und eigenen Anforderungen erfolgen. Die Größenangaben sind Richtwerte und können selbstverständlich auch angepasst werden. Auf einem Linux-System lassen sich die Partitionen mit fdisk einrichten und mit mkswap sowie mkfs.ext3 formatieren. Alternativ (nicht Teil dieser Anleitung) kann dies auch unter OpenWRT erfolgen, siehe hierzu die ausführlichen Informationen im OpenWRT-USB-Storage-Howto.

externe Festplatte zur Speichererweiterung

Der so vorbereitete Stick muss nun an den USB-Port des Routers angeschlossen werden. Alle weiteren Schritte erfolgen auf der Shell des Routers:

$ telnet 192.168.1.1
Trying 192.168.1.1...
Connected to 192.168.1.1.
Escape character is '^]'.
=== IMPORTANT ============================
Use 'passwd' to set your login password
this will disable telnet and enable SSH
------------------------------------------ 

BusyBox v1.11.2 (2009-01-06 15:14:38 CET) built-in shell (ash)
Enter 'help' for a list of built-in commands. 

 _______                     ________        __
|       |.-----.-----.-----.|  |  |  |.----.|  |_
|   -   ||  _  |  -__|     ||  |  |  ||   _||   _|
|_______||   __|_____|__|__||________||__|  |____|
         |__| W I R E L E S S   F R E E D O M
KAMIKAZE (8.09, r14511) ----------------------------
* 10 oz Vodka       Shake well with ice and strain
* 10 oz Triple sec  mixture into 10 shot glasses.
* 10 oz lime juice  Salute!
---------------------------------------------------
root@OpenWrt:/#

Da OpenWRT 8.09 hotplug2 unterstützt, muss zunächst das automatische Einbinden von USB-Laufwerken deaktiviert werden. Dazu ist die Datei /sbin/usb-storage zunächst zu sichern:

root@OpenWrt:/# cp /sbin/usb-storage /sbin/usb-storage.original

Die Datei /sbin/usb-storage wird nun mit vi /sbin/usb-storage bearbeitet, dabei werden alle Zeilen gelöscht, außer den ersten drei. Die Datei sieht danach folgendermaßen aus:

#!/bin/sh
# Copyright (C) 2007 OpenWrt.org
logger "usb device is mass storage"

Danach muss Liste der verfügbaren Software über das Internet aktualisiert werden:

root@OpenWrt:/# opkg update

Es werden nun ein paar Pakete benötigt, die die Kernelmodule für den internen USB-Hub, USB-Laufwerke und das ext3-Dateisystem bereitstellen:

opkg install kmod-usb2 kmod-usb-ohci kmod-usb-storage kmod-fs-ext3

Anschließend wird das Root-Dateisystem auf die Root-Partition des USB-Sticks kopiert:

root@OpenWrt:/# mount /dev/sda2 /mnt
root@OpenWrt:/# mkdir /tmp/root
root@OpenWrt:/# mount -o bind /rom /tmp/root
root@OpenWrt:/# cp /tmp/root/* /mnt -a
root@OpenWrt:/# touch /mnt/usb.root
root@OpenWrt:/# umount /tmp/root
root@OpenWrt:/# umount /mnt

Die Datei usb.root hat eine besondere Bedeutung: Existiert sie in der Root-Partition des USB-Sticks, so versucht der Router, vom USB-Stick zu booten. Fehlt die Datei usb.boot jedoch, so wird der Router ganz normal aus seinem Flash-Speicher in die Grundkonfiguration booten. Durch Anlegen oder Löschen der Datei usb.root kann folglich das Bootverhalten des Routers beeinflusst werden, ohne dass der USB-Stick abgenommen werden muss. Dies ist besonders dann vorteilhaft, wenn der Router an einer schwer zugänglichen Stelle montiert worden ist. Abschließend muss noch dafür gesorgt werden, dass der Router auch tatsächlich versucht, vom USB-Stick zu booten. Hierzu hilft ein Blick in die Datei /etc/inittab. In dieser befindet sich die entscheidende Zeile:

::sysinit:/etc/init.d/rcS S boot

In /etc/init.d/rcS befindet sich folgender Inhalt:

#!/bin/sh
# Copyright (C) 2006 OpenWrt.org 

{ for i in /etc/rc.d/$1*; do
     [ -x $i ] && $i $2 2>&1
  done
} | logger -s -p 6 -t '' &

Beim Booten des Systems werden über /etc/init.d/rcS alle in /etc/rc.d/ befindlichen Skripte, die mit S beginnen in alphabetisch und numerisch aufsteigender Reihenfolge ausgeführt. Diese Skripte initialisieren das System und alle verfügbaren Dienste (Webserver, etc.). Ziel ist es also, vor Aufruf dieser Init-Skripte das Root-Dateisystem auf den USB-Stick umzuleiten. Dazu ist zunächst die Datei /etc/init.d/rcS zu sichern:

root@OpenWrt:/# cp /etc/init.d/rcS /etc/init.d/rcS.original

Anschließend wird diese Datei ergänzt, ihr Inhalt sollte danach folgendermaßen aussehen:

#!/bin/sh
# Copyright (C) 2006 OpenWrt.org 

# try to mount root filesystem from USB drive
if [ $2 == "boot" ]
then
   boot_dev="/dev/sda2" 

   for module in usbcore ehci-hcd ohci-hcd scsi_mod sd_mod \
                 usb-storage jbd ext3 ; do {
      insmod $module
   }; done 

   sleep 10s
   mount "$boot_dev" /mnt 

   if [ -f /mnt/usb.root ]
   then
      # usb.root exists, change root to usb drive
      [ -x /mnt/sbin/init ] && {
         mount -o move /proc /mnt/proc && \
         pivot_root /mnt /mnt/mnt && {
            mount -o move /mnt/dev /dev
            mount -o move /mnt/tmp /tmp
            mount -o move /mnt/jffs2 /jffs2 2>&-
            mount -o move /mnt/sys /sys 2>&-
         }
      }
   else
      # usb.root does not exist, boot from router
      umount $boot_dev
   fi
fi
{ for i in /etc/rc.d/$1*; do
     [ -x $i ] && $i $2 2>&1
  done
} | logger -s -p 6 -t '' &

Damit wird beim Booten des Systems versucht, das Root-Dateisystem auf den USB-Stick umzuleiten. Fehlt der USB-Stick oder die Datei usb.root, so wird die Grundkonfiguration aus dem Flash des Routers geladen. Ohne USB-Stick bootet der Router in eine minimale Grundkonfiguration (die selbstverständlich den eigenen Bedürfnissen angepasst werden kann). Auf dem USB-Stick kann die Konfiguration nahezu beliebig verändert und erweitert werden. So können verschiedene USB-Sticks mit Konfigurationen für unterschiedliche Anwendungsbereiche vorbereitet und bereitgehalten werden.

Der Router wird als nächstes neugestartet. Beim Hochfahren sollte nach einiger Zeit der USB-Stick aktiv werden.

root@OpenWrt:/# reboot && exit

Ob alles geklappt hat, zeigt danach der Aufruf von

root@OpenWrt:/# df -h
[...]
rootfs                  474.3M     25.3M    424.5M   6% /
[...]
/dev/sda2               474.3M     25.3M    424.5M   6% /

Alle weiteren Schritte basieren auf der Annahme, dass der Router immer vom USB-Stick bootet.

3. Grundkonfiguration von Router und WLAN

Um das WLAN einrichten zu können, die Swap-Partition nutzen zu können und um die interne Uhr mit einem Zeitserver zu synchronisieren, werden einige Pakete benötigt:

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# remove hostapd-mini
root@OpenWrt:/# opkg install kmod-madwifi hostapd wpa-supplicant
root@OpenWrt:/# opkg install ntpclient swap-utils
root@OpenWrt:/# reboot && exit

Danach wird die Datei /etc/init.d/ntpclient mit vi erstellt:

#!/bin/sh

START=99

/usr/bin/killall ntpclient
/usr/sbin/ntpclient -l -h 192.53.103.108 -c 1 -s &

192.53.103.108 ist dabei die IP des Zeitservers ptbtime2.ptb.de der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Diese IP kann durch jeden beliebeigen anderen Zeitserver ersetzt werden. Diese Datei wird ausführbar gemacht:

root@OpenWrt:/# chmod +x /etc/init.d/ntpclient

Außerdem wird über die Datei /etc/crontabs/root ein cronjob konfiguriert, der regelmäßig den Zeitserver abfragt:

* */1 * * * /etc/init.d/ntpclient

Anschließend werden einige Grundeinstellungen über die Weboberfläche vorgenommen. Im Browser wird dazu http://192.168.1.1 aufgerufen. In der Weboberfläche wird nun oben rechts von Essentials auf Administration umgeschaltet. Danach wird im Menü (oben links) der Punkt System, System ausgewählt. Im folgenden Bildschirm kann der Hostname sowie die Zeitzone angepasst werden. Ein Klick auf Save&Apply speichert und übernimmt die Einstellungen. Die WLAN-Einstellungen können dann unter Network, Wifi, WIFI0 angepasst werden. Unter Network, Interfaces, WAN bzw. LAN können die Einstellungen für die internen Ethernetschnittstellen des Routers konfiguriert werden. Fortgeschrittene Benutzer können die Regeln der Firewall unter Network, Firewall und Network, Firewall, Traffic Control verändern und ergänzen. Sind diese Grundeinstellungen erledigt, sollte ein Passwort für den Benutzer root bzw. admin gesetzt werden. Dies geht über System, Admin Password. Durch Setzen des Passwortes wird der Telnet-Zugang deaktiviert. Die Shell von OpenWRT ist nun ausschließlich über ssh zu erreichen. Die Swap-Partition lässt sich unter System, Mount Points einbinden. Dort können nun auch alle anderen Partitionen, die evtl. auf dem USB-Stick eingerichtet worden sind, ihrem Mountpoint zugewiesen werden.

4. Konfiguration als UMTS-Router

UMTS-Verbindungen sind möglich über geeignete (und mittlerweile auch bei fast jedem Discounter erhältlichen) USB-Sticks. In diese Sticks wird eine SIM-Karte eingelegt. Der Stick stellt zwei serielle Schnittstellen zur Verfügung, eine kann zur Abfrage von Statusinformationen (Netz, Signalstärke, …) verwendet werden, die andere fungiert als herkömmliches Modem.

Um das Modem nutzen zu können, muss das entsprechende Kernelmodul installiert werden:

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# opkg install kmod-usb-serial

Die Konfiguration einer UMTS-Verbindung unter OpenWRT ist genau so einfach, wie die Konfiguration einer Modemverbindung. Diese Beschreibung basiert auf dem Fonic-Surf-Stick. Der Hersteller dieses Sticks ist die Firma Huawei, es handelt sich um den Typ E 160. Falls OpenWRT nach Anstecken des Sticks nicht zwei serielle Schnittstellen (/dev/ttyUSB0 und /dev/ttyUSB1) findet, muss die Datei /etc/modules.d/60-usb-serial folgendermaßen erweitert werden:

usbserial vendor=0x12d1 product=0x1003 maxSize=4096

Bei Sticks anderer Hersteller bzw. bei einem anderen Typ muss die ID bei “vendor” oder “product” gegebenenfalls angepasst werden, Informationen liefert auf einem Linux-System die Ausgabe des Befehls lsusb bei angestecktem Surfstick. lsusb kann auch auf OpenWRT nachinstalliert werden (opkg update && opkg install usbutils).

Da später noch eine Erweiterung mit APRS4R vorgesehen ist und hierfür ein USB-Seriell-Wandler nötig ist, ergibt sich jedoch ein Problem: Je nachdem, in welcher Reihenfolge der USB-Seriell-Wandler und der Surfstick angeschlossen werden, werden die Namen für die seriellen Schnittstellen unterschiedlich vergeben. Es kann daher zu Verwechslungen zwischen Modem und serieller Schnittstelle kommen. Es wäre daher wünschenswert, wenn der USB-Seriell-Wandler immer unter /dev/serial und das Modem immer unter /dev/umts angesprochen werden könnte, unabhängig von der vom Kernel vorgenommenen Zuweisung der /dev/ttyUSB?. Dies ist möglich mit udev:

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# opkg install udev

Udev soll beim Start des Routers als Daemon laufen und das Anstecken von Geräten überwachen. OpenWRT hat hierzu bereits hotplug2 installiert, udev bietet allerdings bessere Möglichkeiten beim Erstellen von Regeln und kann bedenkenlos parallel zu hotplug2 verwendet werden. Udev startet durch das Skript /etc/init.d/udev mit folgendem Inhalt:

#!/bin/sh /etc/rc.common 

START=03 

start () {
   udevd --daemon
} 

stop() {
   killall -9 udevd
}

Ferner müssen die Init-Skripten für den Systemstart ergänzt werden:

root@OpenWrt:/# cd /etc/rc.d
root@OpenWrt:/# ln -s ../init.d/udev S03udev

Abschließend erhält die Datei /etc/udev/rules.d/99-custom-rules die Regeln für den UMTS-Stick:

# Huawei UMTS-Stick
KERNEL=="ttyUSB?",ATTRS{bInterfaceNumber}=="00", \
ATTRS{modalias}=="usb:v12D1p1003d0000dc00dsc00dp00icFFiscFFipFF", \
NAME="umts"
KERNEL=="ttyUSB?",ATTRS{bInterfaceNumber}=="01", \
ATTRS{modalias}=="usb:v12D1p1003d0000dc00dsc00dp00icFFiscFFipFF", \
NAME="umts1"

Ein “\” zeigt an, dass die Zeile noch nicht beendet ist. Das Modem ist jetzt immer unter /dev/umts ansprechbar. Wer einen anderen Stick verwendet, muss diese Regel evtl. anpassen, die Ausgabe von udevadm info -a (oder udevinfo -a) hilft bei der Erstellung einer eigenen Regel. Eine Regel für den USB-Seriell-Wandler wird später hinzugefügt, siehe Abschnitt “Installation und Einrichtung von APRS4R”.

Nun werden noch ein paar Pakete benötigt:

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# opkg install comgt ppp-mod-pppoe ppp-mod-pppoa pptp

Das Modem kann dann über die Weboberfläche eingerichtet und konfiguriert werden. Im Administrations-Modus wird dazu unter Network, Interfaces der Eintrag “umts” hinzugefügt (bei Add Entry). Im folgenden Fenster wird unter Protocol die Option UMTS/3G gewählt. Bei Modem Device wird /dev/umts eingetragen (der UMTS-Stick muss dabei an den Router angeschlossen sein). Alle übrigen Angaben richten sich nach den Vorgaben des Netzanbieters. Es kann hilfreich sein, unter – Additional Field – den Punkt Setup wait time zu wählen und mit dem Wert dieses Feldes etwas zu experimentieren. Damit kann dem UMTS-Stick ausreichend Zeit zum Initialisieren gegeben werden. Für die UMTS-Verbindung sollte als Firewall-Zone wan gewählt werden. Alternativ kann auch eine eigene Zone (z.b. umts) gewählt werden, diese muss dann aber in den Firewall-Einstellungen anschließend angepasst werden.

5. Installation und Einrichtung von APRS4R

Zum Schluss kann nun APRS4R installiert werden. Über einen USB-Seriell-Wandler wird ein KISS-fähiger TNC angeschlossen. An den TNC kommt ein 2m-Funkgerät. Falls nur Gateway-Funktionalität gewährleistet werden soll, reicht auch ein Scanner oder anderer Empfänger. Zunächst muss das entsprechende Kernelmodul für den USB-Seriell-Wandler installiert werden. Dies ist in einem der Pakete kmod-usb-serial-pl2303, kmod-usb-serial-ftdi oder kmod-usb-serial-belkin enthalten.

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# opkg install kmod-usb-serial-pl2303

Damit der Wandler immer unter /dev/serial ansprechbar ist, muss die Datei
/etc/udev/rules.d/99-custom.rules um folgende Regel erweitert werden:

# USB-Seriell-Wandler
BUS=="usb",KERNEL=="ttyUSB?", \
SYSFS{idVendor}=="067b",SYSFS{idProduct}=="2303", \
SYMLINK+="serial"

Ein “\” zeigt an, dass die Zeile noch nicht beendet ist. idVendor und idProduct sind an die eigenen Gegebenheiten anzupassen, die Ausgabe von lsusb hilft hier weiter. Die Datei /etc/opkg.conf wird um folgende Zeile erweitert:

src aprs4r http://www.aprs4r.org/openwrt/kamikaze

Benötigt wird nur noch der Webserver lighttpd mit ein paar Modulen. Direkt im Anschluss kann APRS4R installiert werden:

root@OpenWrt:/# opkg update
root@OpenWrt:/# opkg install lighttpd lighttpd-mod-auth lighttpd-mod-cgi
root@OpenWrt:/# opkg install aprs4r aprs4r-web aprs4web

Die Konfiguration von APRS4R wird auf der Projekthomepage beschrieben.

Um den TinyTrak 4 als TNC nutzen zu können, muss zunächst die TNC-Firmware eingespielt werden. Unter Linux geht dies am einfachsten mit dem Terminalprogramm minicom. Sobald der TinyTrak 4 bereit ist, die neue Firmwaredatei zu empfangen, kann diese mittels cat [Dateiname] > /dev/ttyS0 übertragen werden (wobei der Gerätename für die serielle Schnittstelle selbstverständlich anzupassen ist). In den Einstellungen von APRS4R muss unter Devices als Modus kiss/tnc2/tapr eingetragen werden.

Fazit

Mit diesen Schritten wird aus einem herkömmlichen Router ein UMTS-fähiges APRS-Gateway (oder sogar ein APRS-Fill-In-Digipeater), welches auf Fielddays die Internet- und WLAN-Versorgung übernehmen kann. Durch die Erweiterung des Speicherplatzes mittels eines USB-Sticks sind Platzprobleme nahezu ausgeschlossen. Auch können mehrere verschiedene Konfigurationen durch Austausch des USB-Sticks verwaltet werden. Ein alter, eigentlich schrottreifer Router hat so eine neue Verwendung gefunden. In dieser Konfiguration ist der Router übrigens bei Weitem noch nicht ausgelastet. Erweiterungen im Rahmen der Möglichkeiten von OpenWRT sind somit problemlos durchfürbar.

Geschrieben von Dominik, DL8KDL in der Kategorie Computer.

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2 Kommentare zu "Netgear WGT634U als UMTS-Router und APRS-Gateway mit OpenWRT"

Erik sagt:

Mit neueren Versionen von OpenWRT kann man die UMTS/3G-Konfiguration mittlerweile ganz gut über die Weboberfläche steuern. Bei mir klappt das jedenfalls ganz gut.

Anonymous sagt:

Interessante Idee, das Dateisystem auf den USB-Stick auszulagern! Damit kann man ja noch viele andere interessante Dinge anstellen… :)

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