Festplatten klonen
Schnell ist es passiert: Die Festplatte gibt langsam aber sicher den Geist auf. Oft finden die Herstellertools keine Fehler, aber die Platte spinnt trotzdem. Sei es, dass beim Rechnerstart erst ab und zu, später immer häufiger die Meldung “Kein Betriebssystem” erscheint oder dass die Platte anfängt, seltsame Geräusche von sich zu geben: Schnelles aber besonnenes Handeln ist gefragt. In diesem Artikel soll gezeigt werden, wie die Daten mit kostenlosen Open-Source-Programmen 1:1 von der alten auf die neue Platte kopiert werden können.
Diese Anleitung funktioniert sowohl bei Linux- als auch Windows-Partitionen!
Benötigte Hilfsmittel
Wir benötigen folgende Hilfsmittel:
- Diagnosesoftware des Festplattenherstellers
- Eine aktuelle Knoppix-Linux-Live-CD
- Eine Festplatte zum Anschluss an den USB-Port für Backups
- Die neue Festplatte (mindestens genau so groß, wie die alte Platte)
Zur Vereinfachung nehme ich im Folgenden an, dass die neue Festplatte zur alten Platte baugleich ist!
Achtung: Falsche Anwendung der folgenden Hinweise kann Ihre Daten endgültig zerstören. Ich setze daher voraus, dass Sie wissen, was Sie tun. Daher werde ich meine Ausführungen auf das Wesentliche beschränken! Da wir auf der Kommandozeile arbeiten, verwechseln Sie bitte niemals alte und neue Festplatte!
System prüfen
1. Verkabelung prüfen
Macht die Festplatte Probleme, so empfielt es sich, als erstes die banalste Ursache auszuschließen: Sizten die Kabel noch richtig oder haben sie sich ganz leicht gelöst? Dass ein Wackelkontakt Probleme auslösen kann, ist nicht wirklich verwunderlich. Prüfen Sie den Sitz des Stromkabels an der Platte und den des Datenkabels an Mainboard und Festplatte.
2. Speicher testen
Fehlverhalten des Computers kann auch auftreten, wenn sich die RAM-Module gelöst haben. Prüfen Sie diese auf korrekten Sitz. Testen Sie anschließend, ob der Speicher defekt sein könnte. Booten Sie den PC dazu mit der Knoppix-Live-CD und geben Sie am Bildschirm des Bootloaders memtest86 ein.
3. Controller defekt?
Leider geht auch ab und zu mal ein Festplattencontroller kaputt. In der Regel hieße dies: Mainboard tauschen. Verhalten sich andere Festplatten auch seltsam? Klappt der Start eines Betriebsystems von CD oder hat auch das CD-Laufwerk Probleme beim Starten? Werden alle Platten und CD-Laufwerke durch das BIOS richtig erkannt? Leider kann ich keine Hinweise geben, wie Sie feststellen, ob der Controller defekt ist. In den meisten Fällen dürfen Sie jedoch (glücklicherweise?) eine defekte Festplatte vermuten…
4. Festplatte prüfen
Es kann hilfreich sein, den Fehler mit Hilfe von speziellen Festplattendiagnoseprogrammen einzugrenzen. Nahezu alle Festplattenhersteller bieten derartige Programme zum kostenlosen Download an, sehen Sie auf der Homepage Ihres Herstellers nach.
Finden diese Programme einen Fehler, so sollte das Fehlerprotokoll ausgedruckt werden. Da die Plattenhersteller oft eine längere Garantie auf Ihre Festplatten gewähren, kann das Fehlerprotokoll die Garantieabwicklung in vielen Fällen beschleunigen. Ob auf Ihre Platte noch Garantie gewährt wird, oder nicht, erfahren Sie bei Ihrem Festplattenhersteller. Leider ist es aber oft so, dass die Platte ganz offensichtlich Probleme hat, die Diagnoseprogramme aber keine Fehler finden. Es empfiehlt sich dann trotzdem, die Platte so schnell wie möglich zu ersetzen.
Daten sichern
Wenn Sie keinen Fehler in Ihrem System gefunden haben, und nur noch die Platte als Verursacher des Problems in Frage kommt, hilft nur eins:
So schnell wie möglich alle Daten sichern!
Machen Sie in jedem Fall ein Backup aller persönlichen Dateien. Sollte das Klonen der Platte fehlschlagen, müssen Sie wohl oder übel das Betriebssystem und alle Programme auf einer neuen Festplatte installieren und neu einrichten. Das ist dann zwar mehr Arbeit, aber Sie haben wenigstens noch alle Ihre Dateien – hoffentlich zumindest.
Festplatte klonen
Wie bereits im letzten Abschnitt angedeutet, bietet das Klonen der Festplatte einen Vorteil: Sie übertragen Bootsektor, Partitionen und alle Daten 1:1 auf die neue Platte. Dadurch sparen Sie sich das langwierige Installieren und Konfigurieren von Betriebsystem und Anwendungen. Alle Einstellungen und Daten werden kopiert. Dies spart enorm viel Zeit und Arbeit.
Die neue Platte muss mindestens genau so groß sein, wie die alte. Wie bereits angedeutet nehme ich im Folgenden an, dass die neue Festplatte zur alten Platte baugleich ist. Damit spare ich mir das Anpassen und eventuelle Verschieben einzelner Partitionen. Ich werde darauf auch nicht weiter eingehen.
1. Vorbereitung
Bauen Sie die neue Festplatte in Ihren PC ein. Gegebenenfalls achten Sie auf die Jumpereinstellungen. Ich nehme an, dass die alte (defekte) Platte unter Linux als /dev/hda und die neue Platte als /dev/hdb angesprochen wird. Schließen Sie auch eine USB-Festplatte mit ausreichender Größe an Ihrem Rechner an. Auf dieser Platte werden wir ein (komprimiertes) Abbild der Partitionen zwischenspeichern. Diese Platte können Sie zukünftig auch als Backup-Platte nutzen und regelmäßig Abbilder Ihrer Partitionen (zumindest der Systempartition) erstellen. Ich nehme an, dass diese Platte unter Linux mit /dev/sda angesprochen wird.
Booten Sie anschließend von CD den Rechner mit dem Knoppix-Linux Live-System. Knoppix hat den Vorteil, dass es eine sehr ausgereifte Hardwareerkennung mitliefert, was Ihnen die Arbeit erleichtern kann (und wird). Wechslen Sie nun in eine Konsole oder öffnen Sie ein Terminalfenster und sichern Sie sich durch den Befehl su root-Rechte. Mounten Sie die USB-Festplatte (les- und schreibbar). Ich nehme an, dass diese Platte dann über den Pfad /media/sda1 erreichbar sein wird. Wechseln Sie in diesen Ordner: cd /media/sda1.
2. Bootsektor kopieren
Als erstes sichern und kopieren wir den Bootsektor:
dd if=/dev/hda of=mbr.bak count=1 bs=512
dd if=mbr.bak of=/dev/hdb
3. Partitionstabelle kopieren
Gleiches geschieht mit der Partitionstabelle:
sfdisk -d /dev/hda > partitions.bak
sfdisk -d /dev/hdb < partitions.bak
Nun sind MBR und Partitionstabelle auf die neue Festplatte kopiert worden. Sicherungskopien befinden sich ferner auf der USB-Festplatte.
4. Partitionen sichern und kopieren
Anschließend müssen die Partitionen selber kopiert werden. Am einfachsten geht dies mit Hilfe des Programms “partimage”. Sie starten dies, indem Sie auf der Kommandozeile partimage eingeben. Sichern Sie die jeweilige Partition auf die USB-Platte. Anschließend spielen Sie diese Sicherungen auf die neue Festplatte zurück. Beachten Sie, dass Sie dem bei der Sicherung vergebenen Dateinamen bei der Rücksicherung die Endung .000 anfügen müssen, da partimage die Sicherungen in mehrere Dateien zu je ca. 2GB aufteilt.
Wenn Sie dies mit allen Partitionen gemacht haben, fahren Sie den Rechner herunter. Entfernen Sie dann die USB-Platte.
5. Festplatten austauschen
Nun können Sie die alte Festplatte ausbauen und durch die neue Platte ersetzen. Gegebenenfalls achten Sie auf die Jumpereinstellungen. Fahren Sie nun das System wieder hoch. Ihr gewohntes Betriebssystem sollte nun mit allen Einstellungen und Daten wieder zur Verfügung stehen. Zu Sicherheit vergessen Sie bitte nicht, die Dateisysteme aller Partitionen auf Fehler prüfen zu lassen (unter Windows z.B. mit chkdsk).

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