Debian GNU Linux auf dem Acer Aspire 1520
Bei meinem mittlerweile etwas betagtem Notebook vom Typ “Acer Aspire 1520″ sollte ein neues Betriebssystem aufgespielt werden. In diesem Rahmen entschloss ich mich, endgültig auf Windows XP zu verzichten und ausschließlich Linux zu verwenden. Aus den zahlreichen verfügbaren Distributionen entschied ich mich für Debian GNU/Linux, mit welchem ich seit über zehn Jahren in verschiedenen Einsatzbereichen sehr gute Erfahrungen gesammelt habe. Die Installation und Konfiguration ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Lediglich die eingebaute WLAN-Karte funktioniert nur mit den Windows-Treibern und ndiswrapper, allerdings mehr schlecht als recht. Abhilfe schaffte aber der Austausch der Karte gegen eine vom Linux-Kernel unterstützte andere Karte.
Verwendung findet Debian auf Grundlage der Testing-Distribution (Codename z.Zt. noch “Lenny”). Installiert wurde über das Internet unter anfänglicher Verwendung der Daily-Builds der Installer-CDs. Auf der Festplatte wurde ein verschlüsstelter LVM angelegt, um die Daten im Falle von Diebstahl oder Verlust des Notebooks zu schützen. Neben dem Standard-System wurde die Desktop-Umgebung und die Laptop-Pakete zur Installation ausgewählt. Als Kernel wurde die Version 2.6.26-1-686 gewählt. Die Installation verlief unproblematisch und muss daher nicht näher beschrieben werden. Anfänger finden Details im Debian-Anwenderhandbuch.
Nach Abschluss der Installation müssen nur noch ein paar Handgriffe erledigt werden, damit ein einsatzbereites System zur Verfügung steht:
1. Paketmanager konfigurieren
Neben den Repositories von Testing greife ich gelegentlich auch gerne auf die Repositories von Unstable (Codename “Sid”) zurück. Allerdings sollen die Pakete möglichst aus dem Testing-Zweig stammen. Das Stichwort lautet Apt-Pinning, es sind Änderungen an den Dateien /etc/apt/sources.list sowie /etc/apt/preferences nötig.
/etc/apt/sources.list
# Debian Testing (z.Zt. Lenny)
deb http://ftp.de.debian.org/debian/ testing main non-free contrib
deb-src http://ftp.de.debian.org/debian/ testing main non-free contrib
deb http://security.debian.org/ testing/updates main contrib non-free
deb http://ftp.de.debian.org/debian/ testing-proposed-updates
non-free contrib main
deb-src http://ftp.de.debian.org/debian/ testing-proposed-updates
non-free contrib main
deb-src http://security.debian.org/ testing/updates main contrib
non-free
# Debian Unstable (Sid)
deb http://ftp.de.debian.org/debian/ unstable main non-free contrib
deb-src http://ftp.de.debian.org/debian/ unstable main non-free contrib
/etc/apt/preferences
Package: * Pin: release a=testing Pin-Priority: 700 Package: * Pin: release a=unstable Pin-Priority: 650
Abschließend müssen die Paketlisten neu heruntergeladen werden: apt-get update
2. Weitere Anwendungen installieren
Ein paar nützliche Anwendungen können nun nach eigenem Geschmack gleich installiert werden. Bei mir sind dies der Midnight-Commander (ein Norton-Commander-Klon für die Kommandozeile), Icedove (das Debian-Äquivalent zu Mozilla Thunderbird) ein grafischer FTP-Client (gftp), sowie die Standard-Windows-Schriftarten:
apt-get install mc icedove icedove-locale-de icedove-gnome-support gftp msttcorefonts
Außerdem soll der Adobe Flash-Player mit Plugin für Seabird (dem Debian-Äquivalent zu Mozilla Firefox) und ein aktuelles Java-SDK, ebenfalls mit Browser-Plugin, installiert werden:
apt-get install flashplugin-nonfree sun-java6-jdk sun-java6-plugin
Unbedingt zu installieren sind die Kernel-Header sowie eine grundlegende Entwicklungsumgebung, falls später eigene Kernel-Module kompiliert werden sollen:
apt-get install build-essential linux-headers-`uname -r`
Da Debian in Sachen Soundausgabe auf ALSA setzt, einige Produkte von Drittherstellern (z.B. VMware) aber auf das Open Sound System (OSS) angewiesen sind, kann es hilfreich sein, für Kompatibilität zwischen ALSA und OSS zu sorgen:
apt-get install alsa-oss oss-compat
Für Video- und Audioausgabe empfiehlt sich ferner der Video-Lan-Client (VLC):
apt-get install vlc mozilla-plugin-vlc
3. Bootmanager und Konsolenschrift anpassen
Da nur Debian auf dem Notebook installiert ist, ist es unnötig, dass Grub sein Auswahlmenü für fünf Sekunden zur Verfügung stellt. Daher wird die Datei /boot/grub/menu.lst folgendermaßen angepasst:
hiddenmenu timeout 3
Außerdem wird bei den Kernelparametern vga=0×318 eingetragen, um die Textkonsolem in einem geeigneten VESA-Modus zu betreiben, was zu deutlich kleinerer, aber angenehmer lesbarer Schrift führt.
4. Splashscreen
Während nahezu alle Linux-Distributionen beim Rechnerstart und beim Herunterfahren einen Splashscreen anzeigen, fehlt derartiges bei Debian noch. Mit dem Paket Splashy kann ein solcher, falls gewünscht, jedoch einfach ergänzt werden. Ich verweise hierzu auf die Dokumentation im genannten Link. Splashy ist als Debian-Paket verfügbar:
apt-get install splashy splashy-themes
5. Nvidia-Treiber installieren
Für die integrierte Nvidia-Grafikkarte wird als nächstes ein geeigneter Treiber installiert:
apt-get install nvidia-kernel-`uname -r` nvidia-settings
Die Konfiguration des X-Servers erfolgt dann wie gewohnt über die Datei /etc/X11/xorg.conf. Meine xorg.conf sieht derzeit folgendermaßen aus (mangels Beamer ist Dual-View o.ä. hier nicht eingerichtet):
Section "ServerLayout"
Identifier "Layout0"
Screen 0 "Screen0" 0 0
InputDevice "Keyboard0" "CoreKeyboard"
InputDevice "Mouse0" "CorePointer"
EndSection
Section "Files"
RgbPath "/usr/X11R6/lib/X11/rgb"
EndSection
Section "InputDevice"
Identifier "Mouse0"
Driver "mouse"
Option "Protocol" "auto"
Option "Device" "/dev/psaux"
Option "Emulate3Buttons" "no"
Option "ZAxisMapping" "4 5"
EndSection
Section "InputDevice"
Identifier "Keyboard0"
Driver "kbd"
Option "XkbRules" "xorg"
Option "XkbModel" "pc105"
Option "XkbLayout" "de"
Option "XkbVariant" "nodeadkeys"
EndSection
Section "Module"
Load "dbe"
Load "extmod"
Load "type1"
Load "freetype"
Load "glx"
EndSection
Section "ServerFlags"
Option "Xinerama" "0"
EndSection
Section "Monitor"
Identifier "Monitor0"
HorizSync 29.0 - 49.0
VertRefresh 0.0 - 61.0
Option "DPMS"
Option "DPI" "96 x 96"
EndSection
Section "Device"
Identifier "Videocard0"
Driver "nvidia"
VendorName "NVIDIA Corporation"
BoardName "GeForce FX Go5700"
Option "NoLogo" "true"
Option "NvAGP" "1"
EndSection
Section "Screen"
Identifier "Screen0"
Device "Videocard0"
Monitor "Monitor0"
DefaultDepth 24
Option "TwinView" "0"
Option "metamodes" "1280x800_60 +0+0"
SubSection "Display"
Depth 24
EndSubSection
EndSection
6. ACPI-Einstellungen
Damit der Bereitschaftszustand und der Ruhezustand funktionieren, sind folgende Anpassungen an den Dateien /etc/modprobe.d/blacklist und /etc/default/acpi-support nötig:
/etc/modprobe.d/blacklist
blacklist agpgart blacklist amd64_agp
/etc/default/acpi-support
SAVE_VBE_STATE=false POST_VIDEO=false USE_DPMS=false SAVE_VIDEO_PCI_STATE=true
7. Hotkeys
Es existiert ein Treiber namens acerhk, welcher die Hotkeys zahlreicher Acer-Notebooks verfügbar macht. Leider gehört das Aspire 1520 nicht dazu. Die Hotkeys können also nicht genutzt werden, da sie keine Tastencodes liefern. Einige Tasten, die in Verbindung mit der Fn-Taste bedient werden, funktionieren aber dennoch. Zu den funktionsfähigen Tasten gehören insbesondere die Tasten zur Veränderung der Displayhelligkeit und zur Lautstärkeanpassung.
8. WLAN
Die Einrichtung des WLANs war zunächst nicht besonders erfolgreich. Standardmäßig in das Notebook eingebaut ist ein Adapter vom Typ “Inprocomm IPN 2220″. Durch ndiswrapper kann dieser mit den Windowstreibern auch unter Debian verwendet werden. Bei Verwendung der Acer-Treiber wurde die WLAN-Karte zwar erkannt, aber weder wurden Access-Points gefunden noch konnten irgendwelche Verbindungen aufgebaut werden. Etwas mehr Erfolg brachten die Windowstreiber der baugleichen Karte “Linksys WPC54G” in der Version 4. Mit diesem konnten Access-Points gefunden werden, gelegentlich gelang auch mal eine Verbindung, die dann aber nicht besonders stabil war.
Zum Glück stand mir noch eine andere Mini-PCI-Karte zur Verfügung. Bei dieser handelte es sich um eine “Intel PRO/Wireless 2915ABG”. Für diese Karten ist ein Modul in den 2.6er-Kerneln integriert. Zusätzlich muss noch die Firmware geladen werden. Diese steht als Debian-Paket zur Verfügung:
apt-get install firmware-ipw2x00
Die Karte wird nun nach jedem Rechnerstart ohne Probleme erkannt, stabile WLAN-Verbindungen stellen nun auch kein Problem mehr dar.
Ein- und Ausschalten der WLAN-Karte
Das WLAN wird nicht immer benötigt. Die dauerhaft aktivierte WLAN-Karte ist jedoch besonders im Akkubetrieb ein nicht zu unterschätzender Stromverbraucher. Da aber die Taste zur (De-) Aktivierung des WLANs zu den nicht funktionierenden Hotkeys gehört und zu allem Überfluss auch noch eine softwaregesteuerte Taste ist, ist die WLAN-Karte somit bei jedem Rechnerstart nach Laden von Treiber und Firmware aktiv.
Nach Laden des WLAN-Treibers steht im Verzeichnis /sys/bus/pci/drivers/ipw2200/0000\:00\:0a.0/ die Datei rf_kill zur Verfügung. Schreibt man in diese Datei eine 0, so wird die WLAN-Karte aktiviert, eine 1 schaltet das WLAN ab. Mit folgendem einfachen Skript kann also die Funktion der WLAN-Taste nachgeahmt werden:
#!/bin/bash # WLAN status einlesen __WLAN_STATUS=$(cat /sys/bus/pci/drivers/ipw2200/0000\:00\:0a.0/rf_kill) if [ $__WLAN_STATUS == 0 ]; then # wenn WLAN an ist, ausschalten echo 1 > /sys/bus/pci/drivers/ipw2200/0000\:00\:0a.0/rf_kill else # WLAN ist aus, also einschalten echo 0 > /sys/bus/pci/drivers/ipw2200/0000\:00\:0a.0/rf_kill fi
Dieses Skript kann im Verzeichnis /usr/local/bin abgelegt werden. Durch chmod u+x ausführbar gemacht, kann es mit root-Rechten ausgeführt werden. Ein kleiner Starter im Gnome-Panel kann den Aufruf zusätzlich vereifachen. Das gelegentlich angeforderte root-Passwort (oder Benutzerpasswort, falls root sich nicht anmelden darf) stört dabei nicht wirklich.
9. Modem
Treiber für das interne AC’97-Modem sind verfügbar. Da ich jedoch grundsätzlich einen UMTS-Stick benutze, falls kein LAN oder WLAN verfügbar sein sollte, habe ich diese nicht ausprobiert. Das Modem wird nicht benutzt.
Fazit
Nach Austausch der WLAN-Karte läuft das Notebook auch unter Linux problemlos. Lediglich auf die Hotkeys muss größtenteils verzichtet werden. Dies ist jedoch zu verschmerzen, da ich diese unter Windows zwar konfiguriert, aber nie benutzt habe. Eine Ausnahme bildet hierbei lediglich die WLAN-Taste, diese wurde aber durch ein Skript mit äquivalenter Funktionalität ersetzt. Aufgrund der Verwendung des Nvidia-Treibers ist die oben genannte Anpassung der ACPI-Einstellungen nötig. Damit funktionieren dann auch der Ruhe- und Bereitschaftsmodus einwandfrei. Die PCMCIA-Schnittstelle und die Infrarotschnittstelle habe ich mangels Geräten nicht getestet. Module sind jedoch für beides im System vorhanden und geladen, so dass auch hier Funktionalität gewährleistet sein sollte.

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